Dr. Anne Fassl, als Nachwuchsgruppenleiterin in der Klinik für Urologie der Universitätsmedizin Frankfurt durch das Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum (MSNZ) Frankfurt-Marburg gefördert, untersucht zusammen mit ihrer Arbeitsgruppe die Mechanismen der Krebsentstehung bei Tumoren der Prostata und der Brust.
Ziel ihrer Forschung ist es, besser zu verstehen, wie bei diesen Krebserkrankungen die Zellwachstumskontrolle ausgeschaltet wird, wie Therapieresistenzen entstehen und welche Rolle das Immunsystem dabei übernimmt. Darauf aufbauend identifizieren die Forschenden therapeutisch nutzbare Zielstrukturen und suchen nach Wegen, diese Strukturen so zu beeinflussen, dass sie das Wachstum der Krebszellen hemmen.
Wie genetische Veränderungen das Immunsystem und die Behandlung von Prostatakrebs beeinflussen
Dr. Anne Fassls von der Prostate Cancer Foundation gefördertes Projekt “Evaluating the impact of BRCA2 immune cell heterozygosity on therapeutic approaches for advanced prostate cancer” untersucht, wie Keimbahnmutationen im Tumorsuppressor-Gen BRCA2 neben dem Tumor auch innerhalb der Immunzellen die Wirksamkeit von Behandlungen bei fortgeschrittenem Prostatakrebs beeinflussen. Bei einer Keimbahnmutation sind, im Gegensatz zu einer später erworbenen Mutation, alle Zellen des Körpers von der Mutation betroffen. Der Verlust der beiden BRCA2-Allele durch eine erworbene zweite Mutation führt dazu, dass die Zellen einen wichtigen Kontrollpunkt in der DNA-Reparatur verlieren und das Tumorwachstum einsetzt.
Das Protein PARP spielt eine wichtige Rolle in der DNA-Reparatur und BRCA2-mutierte Zellen reagieren sensitiv auf PARP-Inhibition, wodurch DNA-Schäden in den Tumorzellen nicht mehr repariert werden. Hierbei wird der Zelltod ausgelöst, der eine körpereigene Immunantwort triggert. In neue-ren Therapieansätzen wird die PARP-Inhibition oftmals mit Immuncheckpoint-Inhibition kombiniert, um synergistische Effekte bei der Unterdrückung des Tumorwachstums zu erzielen. Bei Personen mit BRCA2-Keimbahnmutationen ist jedoch auch in den Immunzellen nur ein funktionales BRCA2-Gen vorhanden. Welchen Effekt dies auf die involvierten Immunzellen in ihrer Funktion und ihrer Interaktion mit dem Tumor hat, ist bislang nicht bekannt. Der Förderpreis unterstützt Fassl und ihr Team dabei, diesen Sachverhalt in den kommenden Jahren genauer zu untersuchen – und zu erforschen, wie die therapeutischen Optionen eingesetzt und kombiniert werden können, um ein bestmögliches Therapieansprechen, abhängig von den genetischen Voraussetzungen, zu ermöglichen.
Young Investigator Award fördert junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in der Prostatakrebsforschung
Dr. Anne Fassl, die als Nachwuchsgruppenleiterin durch das MSNZ von den USA nach Frankfurt rekrutiert wurde, forscht seit 2023 in der Klinik für Urologie an der Universitätsmedizin Frankfurt. Aufbauend auf ihrer Forschung und den Erfahrungen aus ihrer Postdoc-Zeit an der Harvard Medical School in Boston widmet sie sich in Frankfurt der Präzisionsmedizin bei hormongesteuerten Tumoren, mit einem besonderen Fokus auf das Prostata- und das Mammakarzinom.
Dank der Unterstützung durch die Prostate Cancer Foundation kann die Frankfurter Nachwuchswissenschaftlerin ihr Forschungsprofil weiter schärfen. Prof. Dr. Felix Chun, Direktor der Klinik für Urologie an der Universitätsmedizin Frankfurt, unterstützt das Vorhaben als Mentor. „Anne Fassl ist eine sehr talentierte Wissenschaftlerin, und ich beglückwünsche sie zu dieser Auszeichnung. Die Verleihung des Young Investigator Awards unterstreicht das große Potenzial, das ihre Forschung zu genetischen Veränderungen des Immunsystems im Kontext der Prostatakrebstherapie besitzt. Die Förderung wird es Anne Fassl ermöglichen, sich im Feld der Prostatakrebsforschung weiter zu etablieren, da durch ihre Forschung in den nächsten Jahren ein bedeutender Beitrag zur genbasierten, personalisierten Behandlung von Menschen mit Prostatakarzinom zu erwarten ist“, so Prof. Chun. Als externe Mentoren fungieren Prof. Dr. Myles Brown sowie Prof. Dr. Geoffrey Shapiro vom Dana-Farber Cancer Institute und der Harvard Medical School.
Die gemeinnützige Prostate Cancer Foundation (PCF) ist weltweit führend bei der Unterstützung und Finanzierung der Erforschung des Prostatakarzinoms. Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 durch Mike Milken hat sie mehr als 1 Milliarde US-Dollar für die Spitzenforschung in über 2.250 Forschungsprojekten an 245 führenden Krebszentren in 28 Ländern weltweit zur Verfügung gestellt. Das Young Investigator Awards-Programm der PCF identifiziert vielversprechende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und bietet Karriere- und Projektunterstützung für innovative Forschungsideen zur Bekämpfung von Prostatakrebs. Durch die gezielte Förderung der nächsten Generation führender Forschender auf diesem Gebiet soll von der Krankheit Betroffenen auf der ganzen Welt ein längeres Überleben, weniger Komplikationen und eine höhere Lebensqualität ermöglicht werden.



