Furore im Darm

Fortschritte bei Therapie von Enddarmkrebs: Neues Zentrum FURORE bündelt Expertise

Die Therapie des Enddarmkrebses hat sich – nicht zuletzt dank Forschung aus der Universitätsmedizin Frankfurt – enorm weiterentwickelt. Damit gelingt immer öfter der Funktions- und Organerhalt des Enddarms. Zu diesem Zweck wurde nun ein spezialisiertes Zentrum mit dem Namen FURORE gegründet.

Aus Anlass der Gründung des Frankfurter Universitären Referenzzentrum für den Organerhalt beim Rektumkarzinom (FURORE) findet am 11. März 2026 ein interdisziplinäres Symposium im Rahmen der Frankfurter Medizinischen Gesellschaft statt. Die multimodale und interdisziplinäre Therapie des Enddarmkarzinoms hat sich in den vergangenen 20 Jahren fundamental weiterentwickelt und individualisiert. Zu dieser Verbesserung haben verschiedene Fachrichtungen beigetragen: die molekular-pathologische Diagnostik, die Präzisierung der Bildgebung des Tumors – das sogenannte Staging – mittels Magnetresonanztomographie, die Optimierung der Radio-, Chemo-, und gegebenenfalls Immuntherapie sowie die Verbesserung der operativen Konzepte mit Einführung roboterassistierter Operationsverfahren. Neben dem onkologischen Ziel, den Tumor dauerhaft sowohl lokal als auch systemisch zu kontrollieren, gewinnen die Aspekte des Funktionserhalts sowie der Lebensqualität zunehmend an Bedeutung. Mit Blick auf diese Zielsetzungen wurde das Zentrum FURORE geschaffen.

Gesammelte Expertise – für Überleben und Lebensqualität
Im Mittelpunkt steht der Organerhalt durch eine stadiengerechte, individuell abgestimmte und multimodale Therapie. Dieses Vorgehen ermöglicht es heute, bei ausgewählten Patientinnen und Patienten zunächst auf die sonst übliche Operation zu verzichten. Dieses sogenannte Watch-and-Wait-Verfahren bedeutet ein engmaschig überwachtes Abwarten nach erfolgreicher Vorbehandlung. Bei Rektumkarzinomen im Frühstadium ist ein solcher Organerhalt inzwischen bei 50 bis 80 Prozent der Betroffenen möglich. Selbst bei lokal fortgeschrittenen Tumoren, bei denen die Darmwand durchbrochen ist und/oder Lymphknoten im Tumorumfeld befallen sind, kann in etwa 30 Prozent der Fälle auf eine Operation verzichtet werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das Watch-and-Wait-Verfahren ausschließlich in spezialisierten und erfahrenen Zentren angeboten wird. Diese Zentren müssen über eine besondere Expertise in der multimodalen Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Rektumkarzinoms verfügen. Ebenso wichtig sind eine umfassende Aufklärung der Patientinnen und Patienten über Nutzen und Risiken dieses Vorgehens sowie eine engmaschige, strukturierte und interdisziplinäre Nachsorge.

Im Frankfurter Zentrum FURORE arbeiten daher Spezialistinnen und Spezialisten aus Pathologie, Radiologie, Gastroenterologie, Radioonkologie, internistischer Onkologie und Chirurgie eng zusammen. Gemeinsam entwickeln sie auf Basis des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstands für jede Patientin und jeden Patienten bereits ab der Erstdiagnose die individuell bestmögliche Therapiestrategie. Ziel ist es, sowohl eine optimale Tumorkontrolle als auch den größtmöglichen Erhalt der Lebensqualität zu erreichen. Um dies sicherzustellen, werden alle Patientinnen und Patienten mit einem Rektumkarzinom in wöchentlichen interdisziplinären Tumorkonferenzen vorgestellt. Dort werden die Fälle gemeinsam diskutiert und gegebenenfalls für die Teilnahme an klinischen Studien identifiziert.

Federführung bei bundesweiter Forschung
FURORE übernimmt zudem eine führende Rolle in der nationalen und internationalen Forschung. Unter Federführung der Klinik für Strahlentherapie der Universitätsmedizin Frankfurt koordiniert das Zentrum die renommierte German Rectal Cancer Study Group. Diese Studiengruppe hat bereits zahlreiche klinische Studien der Phasen I bis III zur Weiterentwicklung der multimodalen Therapie des Rektumkarzinoms durchgeführt und veröffentlicht.

Aktuell laufen mehrere Studien oder befinden sich in Vorbereitung. Dazu zählen 

  • die ACO/ARO/AIO-18.1-Studie zum Organerhalt nach totaler neoadjuvanter Therapie. Hierbei handelt es sich um einen Behandlungsansatz, bei dem die gesamte systemische Chemotherapie zusammen mit einer Bestrahlung vor der Operation erfolgt.
  • die ACO/ARO/AIO-22-Studie zur Rolle der Brachytherapie beim Organerhalt. Hierbei handelt es sich um eine Form der Strahlentherapie, bei der Strahlungsquellen direkt in oder unmittelbar an einen Tumor platziert werden.
  • die PRE-GLOW-Studie. Sie untersucht die Bedeutung einer gezielten Prähabilitation – also einer gezielten körperlichen und psychischen Vorbereitung während der totalen neoadjuvanten Therapie vor einer Operation oder im Rahmen eines organerhaltenden Behandlungskonzepts.

Vorstellung des Zentrums
FURORE wird am 11. März 2026 um 17:30 Uhr im Rahmen einer wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltung der Frankfurter Medizinischen Gesellschaft vorgestellt. Dabei beleuchten Expertinnen und Experten der beteiligten Fachdisziplinen den individuellen Pfad der Patientinnen und Patienten von der initialen Diagnosestellung über die stadiengerechte Therapie bis zur individualisierten Nachsorge für den Organerhalt bei Enddarmtumor. Die Veranstaltung findet statt an der Universitätsmedizin Frankfurt im Hörsaal 20-5, Audimax.

Für weitere Informationen:
Christoph Lunkenheimer
Pressesprecher
Leiter der Stabsstelle Kommunikation
Universitätsmedizin Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 86 44 2
E-Mail: christoph.lunkenheimer@unimedizin-ffm.de 
Internet: www.unimedizin-ffm.de

Über die Universitätsmedizin Frankfurt
Die Universitätsmedizin Frankfurt, gegründet im Jahr 1914, zählt zu den führenden hochschulmedizinischen Einrichtungen Deutschlands. Sie bietet ihren Patientinnen und Patienten eine bestmögliche medizinische Versorgung in 33 Kliniken und klinischen Instituten. Der enge Bezug zur Wissenschaft – Universitätsmedizin und Fachbereich Medizin betreiben mehr als 20 Forschungsinstitute – sichert den Patientinnen und Patienten eine zeitnahe Umsetzung neuer Erkenntnisse in die diagnostische und therapeutische Praxis. Rund 1.300 stationäre und tagesklinische Betten stehen zur Verfügung. Zahlreiche Kliniken und Institute widmen sich medizinisch-wissenschaftlichen Spezialleistungen. Jährlich werden circa 46.000 stationäre und mehr als 480.000 ambulante Patientinnen und Patienten betreut. Besondere interdisziplinäre Kompetenz besitzt die Universitätsmedizin unter anderem auf den Gebieten der Neurowissenschaften, Onkologie und kardiovaskulären Medizin. Auch als Standort für Organ- und Knochenmarktransplantationen, Dialyse sowie der Herzchirurgie und Neurochirurgie nimmt sie besondere Aufgaben der überregionalen medizinischen Versorgung wahr. Das Leberzentrum ist die einzige Einrichtung für Lebertransplantation in Hessen. Ein Alleinstellungsmerkmal gemäß Versorgungsauftrag nach dem Hessischen Krankenhausgesetz besteht für die Region Frankfurt-Offenbach neben der Herzchirurgie auch für die Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie, die Dermatologie und die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mehr als 8.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um die Patientinnen und Patienten.

Herausgeber: Der Vorstand der Universitätsmedizin Frankfurt. Redaktion: Christoph Lunkenheimer, Pressesprecher, Stabsstelle Kommunikation, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main, Telefon: +49 69 63 01 – 86 44 2, E-Mail: christoph.lunkenheimer@unimedizin-ffm.de

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Uni­ver­si­täts­medizin Frank­furt
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