Seit dem 01. November 2024 ist PD Dr. phil. Christina Sauer die neue Leiterin des Psychoonkologischen Dienstes und der UCT Krebsberatungsstelle an der Universitätsmedizin Frankfurt. Als Psychologin und Wissenschaftlerin arbeitet und forscht sie unter anderem zu den Themen Paardynamik, Akzeptanz- und Commitment-Therapie und eHealth in der Psychoonkologie. In einem Interview verrät sie uns mehr über ihren Werdegang, der Arbeit in der Psychoonkologie und welche Ziele sie in ihrer neuen Rolle erreichen möchte.
Können Sie uns etwas zu Ihrem Werdegang erzählen? Wie sind Sie zu Ihrer heutigen Position gekommen?
Erstmal freue ich mich sehr, seit November die Leitung der Psychoonkologie im UCT Frankfurt innezuhaben. Zu meinem Werdegang: Ich bin Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin. Seit meinem Studium ist es mir wichtig, klinische und wissenschaftliche Arbeit im Sinne des Practitioner-Scientist-Modells zu verknüpfen und zu verzahnen. Nach meiner Promotion im Bereich der Klinischen Psychologie begann ich direkt, in der Psychoonkologie zu arbeiten und zu forschen. Besonders spannend finde ich hier die Schnittstelle zwischen Psychologie und Medizin.
Nachdem ich über sieben Jahre in der Psychoonkologie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg gearbeitet und mich dort habilitiert habe, war die Zeit reif für diese neue Herausforderung – umso mehr habe ich mich über die Zusage aus Frankfurt gefreut.
Was hat Sie in Ihrer Karriere bislang am meisten geprägt und motiviert, in der Psychoonkologie zu arbeiten?
Zum einen natürlich die Arbeit mit Krebspatientinnen und -patienten und ihren Angehörigen – Menschen, die sich in einer existenziellen Notlage befinden, fürsorglich zu unterstützen, ihnen Perspektiven aufzuzeigen und einfach da zu sein. Aus wissenschaftlicher Sicht motiviert mich unter anderem, mit Interventionsstudien nachzuweisen, dass neue psychoonkologische Konzepte die Versorgung spürbar verbessern können und herauszufinden, welche Faktoren dazu beitragen.
Einer Ihrer Schwerpunkte ist unter anderem die Paardynamik in der Psychoonkologie. Wie kam es dazu, dass Sie sich auf diesen Bereich spezialisiert haben?
Ich bin über eine meiner wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema gekommen. Die Ergebnisse dieser Studie mit Paaren zeigte, dass die Partnerinnen der Krebspatienten teilweise stärker psychisch belastet waren als die Krebserkrankten selbst. Zudem fanden wir Hinweise auf Wechselwirkungen, also dass die erhöhte Belastung der Partnerinnen die Lebensqualität der Patienten negativ beeinflussen kann. Diese Ergebnisse fand ich sehr spannend. Sie zeigen zum einen eine Reihe klinischer Implikationen auf, aber auch Forschungs- und Versorgungslücken in der Beratung von Partnerinnen und Partnern. Eine zweite Studie ergab ähnliche Ergebnisse. Deshalb ist mir die Versorgung von Angehörigen und Paaren sehr wichtig. Die Beratung von Angehörigen und speziell Familien bieten wir übrigens auch in der UCT Krebsberatungsstelle an.
Gibt es spezielle Projekte, die Sie in nächster Zeit anstoßen möchten oder die Ihnen besonders am Herzen liegen?
Ich habe viele Ideen für Projekte und Themen, die ich in den nächsten Jahren gerne näher beforschen und untersuchen möchte. Ein spezialisiertes Angebot für Paare zu entwickeln und evaluieren ist eines meiner Ziele für die nächste Zeit. Zudem möchte ich psychoonkologische Gruppen in unser Angebot aufnehmen. Diese bieten viele Chancen, wie die Förderung des Austausches unter Patientinnen und Patienten oder unter Angehörigen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Mehr Informationen:
PD Dr. phil. Christina Sauer
Tel. 069 / 6301-83787
christina.sauer@unimedizin-ffm.de



