Die GMALL-Studiengruppe mit Sitz an der Universitätsmedizin Frankfurt hat auf dem Kongress der American Society of Hematology erste Ergebnisse der EVOLVE-Studie vorgestellt – einer klinischen Untersuchung für Erwachsene mit einer besonders aggressiven Form der Leukämie, der Philadelphia-Chromosom-positiven Akuten Lymphatischen Leukämie (Ph+ ALL). Die Studie wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.
„Mit der EVOLVE-Studie wollen wir prüfen, ob eine Kombination aus zielgerichteten Medikamenten, Chemotherapie und Immuntherapie die bisher notwendige Stammzelltransplantation bei bestimmten Patientinnen und Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver Akuter Lymphatischer Leukämie ersetzen kann, ohne die Heilungschancen zu verringern“, erklärt Studienleiterin Dr. Nicola Gökbuget aus der Medizinischen Klinik 2, Hämatologie/Onkologie der Universitätsmedizin Frankfurt. „Unser Ziel ist es, Therapien so einzusetzen, dass Betroffene wirksamer und zugleich schonender behandelt werden können.“ Die wissenschaftliche Koordination der Studie liegt bei Dr. Fabian Lang und Dr. Heike Pfeifer, die Studienkoordination übernehmen Carina Fuchs und Julian Knaden, ebenfalls aus der Medizinischen Klinik 2, Hämatologie/Onkologie der Universitätsmedizin Frankfurt.
Die Leukämiezellen von Ph+ ALL-Patientinnen und -Patienten tragen ein spezielles Chromosom, das sogenannte Philadelphia-Chromosom. Durch die Verschmelzung von Teilen zweier Chromosomen entsteht das Fusionsgen BCR::ABL1, das die Zellen unkontrolliert wachsen lässt. Um den Erfolg der verschiedenen Therapien genau zu messen, werden molekulare Tests eingesetzt – sowohl auf BCR::ABL1 als auch auf Ig/TC-Marker, die unabhängig vom Philadelphia-Chromosom kleinste Mengen von Leukämiezellen erkennen.
Vergleich von zwei Medikamenten
In der ersten Phase der Studie werden zwei Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI), Imatinib und Ponatinib, miteinander verglichen. Diese Medikamente blockieren die unkontrollierte Aktivität des BCR::ABL1-Proteins und hemmen so das Wachstum der Leukämiezellen. Das Therapieansprechen wird differenziert anhand der molekularen Marker BCR::ABL1 und Ig/TC bewertet.
Patientinnen und Patienten mit vollständiger molekularer Remission – also diejenigen, bei denen die genetischen Marker durch die Therapie so stark reduziert werden, dass sie auf molekularer Ebene nicht mehr nachweisbar sind – werden in der zweiten Phase der Studie einer von zwei Behandlungen zugeteilt: entweder die etablierte Stammzelltransplantation oder eine fortgesetzte TKI-Therapie, kombiniert mit Chemotherapie und dem Immunpräparat Blinatumomab. Ein dritter Studienarm sieht für Personen mit unzureichendem Ansprechen einen Zyklus Blinatumomab vor der Stammzelltransplantation vor.
Erste Ergebnisse vielversprechend
Bei allen bisher 51 ausgewerteten Teilnehmenden sprach die Erkrankung vollständig auf die Therapie an. 30 Prozent waren älter als 55 Jahre, was die besondere Relevanz der Studie für diese Altersgruppe unterstreicht. Bei der molekularen Auswertung zeigten sich allerdings deutliche Unterschiede: Nur 28 Prozent erreichten eine vollständige Remission nach BCR::ABL1-basierten Tests, während bei den Ig/TC-basierten Messungen die Remissionsrate bei 73 Prozent lag. Auf Grundlage dieser Ergebnisse wird für die weitere Therapie eine kombinierte Bewertung beider Methoden eingesetzt. Besonders vielversprechend: Bei Patientinnen und Patienten, die auf TKI allein nicht ausreichend ansprachen, konnte Blinatumomab häufig noch eine molekulare Remission erzielen.
Die EVOLVE-Studie könnte damit einen wichtigen Schritt in der Therapie der Ph+ ALL markieren und dabei helfen, entscheidende Fragen zur künftigen Behandlung zu beantworten – insbesondere, ob die Stammzelltransplantation durch moderne zielgerichtete und immunbasierte Therapien teilweise ersetzt werden kann.
Für weitere Informationen:
Dr. Nicola Gökbuget
Medizinische Klinik 2, Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie
Studienzentrale
Universitätsmedizin Frankfurt
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