Für ihr Projekt „Analysis of a library of highly specific protein kinase inhibitors in glioblastoma using patient-derived tumor organoids under tumor microenvironment conditions“ erhalten PD Dr. Anna-Luisa Luger, Advanced Clinician Scientist, und Dr. Ann-Christin Hau, Nachwuchsgruppenleiterin im Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum (MSNZ) Frankfurt und im Frankfurt Cancer Institute (FCI), eine Förderung der Wilhelm Sander-Stiftung in Höhe von rund 150.000 €. Gemeinsam mit Dr. Susanne Müller-Knapp vom Structural Genomics Consortium (SGC) in Frankfurt erforschen sie gezielt neue Wirkstoffe gegen Glioblastome. Glioblastome gehören zu den aggressivsten Hirntumoren und sind aufgrund ihrer ausgeprägten Therapieresistenz schwer zu behandeln. Bisherige Therapieansätze bleiben oft wirkungslos, da die Tumoren genetische Mechanismen nutzen, um einer erfolgreichen Behandlung zu entgehen. Im Forschungsprojekt von Luger und Hau wird eine große Bibliothek hochspezifischer Kinase-Inhibitoren in Glioblastomzellen und Tumor-Organoiden unter Tumormikromilieu-Bedingungen untersucht. Ziel ist es, neue Wirkstoffe zu finden, die das Krebswachstum hemmen und die Behandlung verbessern können.
Der Rezeptor-Tyrosinkinase-PI3-Kinase-AKT-Signalweg galt lange als vielversprechender Ansatz zur Hemmung des Tumorwachstums, da er eine zentrale Rolle in der Zellproliferation und bei Überlebenssignalen spielt. Allerdings zeigte sich in klinischen Studien, dass seine Blockade Tumorzellen vor Stressbedingungen wie Nährstoffmangel schützt, was das Tumorzellüberleben unter diesen widrigen Bedingungen paradoxerweise fördert. Diese Erkenntnis unterstreicht die Notwendigkeit, alternative Signalwege gezielt unter realistischen Bedingungen des Tumormikromilieus zu untersuchen, um wirksamere Therapieansätze zu identifizieren.
Das Structural Genomics Consortium (SGC) Frankfurt verfügt über eine einzigartige Bibliothek hochspezifischer Kinase-Inhibitoren, mit denen gezielt die Wirkung einer Blockade der Kinase-abhängigen Signalwege auf Tumorzellen untersucht wird. Ein speziell entwickeltes Screening-System simuliert das Tumormikromilieu und ermöglicht es, mithilfe modernster Live-Cell-Imaging-Technologie in Echtzeit zu beobachten, welche Substanzen das Zellwachstum hemmen oder sogar Krebszellen gezielt zerstören.
Um die Ergebnisse zu validieren, kommen Patienten-derivierte Tumor-Organoide und zerebrale Organoide zum Einsatz. Diese dreidimensionalen Zellkulturen imitieren das Verhalten von Glioblastomen im menschlichen Körper und ermöglichen genauere Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der getesteten Wirkstoffe im Menschen. Ergänzend werden genomweite Methylierungsanalysen und weitere Sequenzierungen durchgeführt, um genetische Marker für besonders aussichtsreiche Therapieansätze zu identifizieren. Nach der Identifizierung vielversprechender Inhibitoren folgen vertiefte Untersuchungen zur genetischen Modulation, zu Stoffwechselveränderungen und zur Empfindlichkeit gegenüber Standardtherapien, um potenzielle neue Behandlungsansätze zu prüfen.
Bei diesem innovativen Forschungsansatz wird das Team zudem von Julia Schwarzpaul unterstützt, die nach ihrem Masterstudium/abschluss in Interdisciplinary Neuroscience an der Goethe-Universität in Frankfurt das Projekt als Doktorandin mitgestalten wird.
Anna-Luisa Luger und Ann-Christin Hau hoffen, mit diesem Forschungsprojekt neue Wege für die Be-handlung von Glioblastomen zu eröffnen und damit langfristig die Prognose für betroffene Patientin-nen und Patienten zu verbessern.
Über die Wilhelm Sander-Stiftung: Partnerin der Krebsforschung
Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rah-men der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 280 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz ausbezahlt. Damit ist die Wilhelm Sander-Stiftung eine der bedeutendsten privaten Forschungsstiftungen im deutschen Raum. Sie ging aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist. Mehr Informationen



