Für ihre Forschung zum Zusammenspiel von Genen und dem Immunsystem bei fortgeschrittenem Prostatakrebs ist die Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Anne Fassl von der Klinik für Urologie der Universitätsmedizin Frankfurt von der US-amerikanischen Prostate Cancer Foundation mit einem Young Investigator Award 2025 ausgezeichnet worden. Damit verbunden ist eine dreijährige finanzielle Förderung in Höhe von umgerechnet 195.000 Euro.
FRANKFURT. Bei fast jeder vierten Krebserkrankung in Deutschland ist die Vorsteherdrüse oder Prostata betroffen. In ihrem durch die Prostate Cancer Foundation geförderten Projekt erforscht Dr. Anne Fassl eine bestimmte Form des Prostatakarzinoms, bei dem eine Kopie eines bestimmten Gens der Patienten seit Geburt und in allen Körperzellen defekt ist, das BRCA2-Gen. Es unterstützt die Reparatur von DNA-Schäden.
Da das BRCA2-Gen in jeder Zelle in zwei Kopien vorliegt, wird es erst kritisch, wenn durch eine nachträglich erworbene Mutation auch die zweite Genkopie beschädigt wird und die betroffene Zelle so einen wichtigen Kontrollpunkt für die DNA-Reparatur verliert. Damit können sich Mutationen anhäufen, in deren Folge die Zelle die Kontrolle über die Zellteilung verliert. Weil das Immunsystem gealterte und geschädigte Körperzellen vernichtet, müssen die entstehenden Krebszellen auch dieses austricksen, damit ein Tumor entstehen kann.
Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs, also wenn der Tumor Metastasen außerhalb der Prostata gebildet hat, verfolgen neuere Therapieansätze eine Doppelstrategie: Zum einen wird gezielt ein Protein namens PARP gehemmt, das ebenfalls wichtig für die DNA-Reparatur ist. In den Tumorzellen, die bereits durch das defekte BRCA2-Gen vorgeschädigt sind, entstehen auf diese Weise derart viele DNA-Schäden, dass sie zugrunde gehen. Flankiert wird die PARP-Inhibition durch Medikamente, die die Blockade des Immunsystems durch die Tumoren aufheben, sogenannte Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Dadurch soll das Immunsystem die Tumorbekämpfung unterstützen.
Das Problem: Auch die Zellen des Immunsystems besitzen nur eine intakte BRCA2-Kopie. Ob sich dies auf das Therapieansprechen auswirkt, untersucht Fassl in ihrem jetzt von der Prostate Cancer Foundation geförderten Projekt „Evaluating the impact of BRCA2 immune cell heterozygosity on therapeutic approaches for advanced prostate cancer”. Ihr Ziel ist es, in Laborversuchen verschiedene Wirkstoffkombinationen hinsichtlich besonders vielversprechender Therapieoptionen zu testen.
Prof. Felix Chun, Direktor der Klinik für Urologie an der Universitätsmedizin Frankfurt, sagt: „Anne Fassl ist eine sehr talentierte Wissenschaftlerin, und ich beglückwünsche sie zu dieser Auszeichnung. Die Verleihung des Young Investigator Awards unterstreicht das große Potenzial, das ihre Forschung zu genetischen Veränderungen des Immunsystems im Kontext der Prostatakrebstherapie besitzt. Die Förderung wird es Anne Fassl ermöglichen, sich im Feld der Prostatakrebsforschung weiter zu etablieren, da durch ihre Forschung in den nächsten Jahren ein bedeutender Beitrag zur genbasierten, personalisierten Behandlung von Menschen mit Prostatakarzinom zu erwarten ist.“
Dr. rer. nat. Anne Fassl studierte Biologie in Leipzig und promovierte am Deutschen Krebsforschungszentrum, Postdoc am Dana-Faber Cancer Institute und an der Harvard Medical School in Boston wurde als Nachwuchsgruppenleiterin durch das Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum Frankfurt-Marburg von den USA nach Frankfurt rekrutiert und forscht seit 2023 in der Klinik für Urologie an der Universitätsmedizin Frankfurt. Aufbauend auf ihrer Forschung und den Erfahrungen aus ihrer Postdoc-Zeit an der Harvard Medical School in Boston widmet sie sich in Frankfurt der Präzisionsmedizin bei hormongesteuerten Tumoren, mit einem besonderen Fokus auf das Prostata- und das Mammakarzinom.
Die gemeinnützige Prostate Cancer Foundation (PCF) ist weltweit führend in der Unterstützung und Finanzierung der Erforschung des Prostatakarzinoms. Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 hat sie rund eine Milliarde US-Dollar für die Spitzenforschung in mehr als 2.000 Forschungsprojekten an 245 führenden Krebszentren in 28 Ländern zur Verfügung gestellt. Das Young Investigator Awards-Programm der PCF identifiziert vielversprechende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und bietet Karriere- und Projektunterstützung für innovative Forschungsideen zur Bekämpfung von Prostatakrebs. Durch die gezielte Förderung der nächsten Generation führender Forschender auf diesem Gebiet soll von der Krankheit Betroffenen auf der ganzen Welt ein längeres Überleben, weniger Komplikationen und eine höhere Lebensqualität ermöglicht werden.
Weitere Informationen:
Dr. rer. nat. Anne Fassl
Leitung Forschungslabor
Klinik für Urologie
Universitätsmedizin Frankfurt
Tel.: +49 69 6301 - 80073
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Das Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum (MSNZ) Frankfurt-Marburg wird von der Deutschen Krebshilfe als eines von fünf Mildred-Scheel-Nachwuchszentren in Deutschland gefördert. Im Rahmen des Exzellenzförderprogramms des MSNZ Frankfurt-Marburg werden forschende Ärztinnen und Ärzte (Clinician Scientists) sowie nicht-klinisch tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Medical Scientists) in der Krebsforschung auf allen Karrierestufen von der Promotion bis zur Leitungsposition gezielt unterstützt: Geschützte Zeit für Forschung, eigene Sachmittelbudgets und der Zugang zu exzellenten wissenschaftlichen Infrastrukturen ermöglichen die Durchführung eines eigenen Forschungsprojekts in einem international ausgewiesenen Umfeld. Mit international anschlussfähigen, kontinuierlichen Karrierewegen und attraktiven Zielpositionen will das MSNZ beste Voraussetzungen sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der translationalen und klinischen Forschung schaffen. Ein besonderes Anliegen des MSNZ ist dabei die Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die Universitätsmedizin Frankfurt, gegründet im Jahr 1914, zählt zu den führenden hochschulmedizinischen Einrichtungen Deutschlands. Sie bietet ihren Patientinnen und Patienten eine bestmögliche medizinische Versorgung in 33 Kliniken und klinischen Instituten. Der enge Bezug zur Wissenschaft – Universitätsmedizin und Fachbereich Medizin betreiben mehr als 20 Forschungsinstitute – sichert den Patientinnen und Patienten eine zeitnahe Umsetzung neuer Erkenntnisse in die diagnostische und therapeutische Praxis. Rund 1.300 stationäre und tagesklinische Betten stehen zur Verfügung. Zahlreiche Kliniken und Institute widmen sich medizinisch-wissenschaftlichen Spezialleistungen.
Jährlich werden circa 46.000 stationäre und mehr als 480.000 ambulante Patientinnen und Patienten betreut. Besondere interdisziplinäre Kompetenz besitzt die Universitätsmedizin unter anderem auf den Gebieten der Neurowissenschaften, Onkologie und kardiovaskulären Medizin. Auch als Standort für Organ- und Knochenmarktransplantationen, Dialyse sowie der Herzchirurgie und Neurochirurgie nimmt sie besondere Aufgaben der überregionalen medizinischen Versorgung wahr. Das Leberzentrum ist die einzige Einrichtung für Lebertransplantation in Hessen. Ein Alleinstellungsmerkmal gemäß Versorgungsauftrag nach dem Hessischen Krankenhausgesetz besteht für die Region Frankfurt-Offenbach neben der Herzchirurgie auch für die Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie, die Dermatologie und die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mehr als 8.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um die Patientinnen und Patienten.
Die Goethe-Universität ist eine weltoffene Werkstatt der Zukunft mitten in Europa. Sie entstand 1914 als Gründung Frankfurter Bürger und knüpft seit 2008 als Stiftungsuniversität wieder an diese Tradition an: als autonome Bürger*innen-Universität eingebettet in die Stadtgesellschaft und mit einem hohen Maß an gesellschaftlicher Teilhabe und Förderung. Die Goethe-Universität gehört mit mehr als 40.000 Studierenden zu den größten und forschungsstärksten Universitäten Deutschlands und zu den größten Arbeitgebern in Frankfurt.
Die Goethe-Universität ist eine international aufgestellte Volluniversität, die sich durch exzellente Forschungsschwerpunkte in sechs interdisziplinären, fachbereichsübergreifenden Profilbereichen ebenso auszeichnet wie durch die Vielfalt ihrer Fächer in Geistes-, Sozial-, Gesellschafts-, Natur- und Lebenswissenschaften und Medizin. Mit der TU Darmstadt und der Universität Mainz bildet sie das Bündnis Rhein-Main-Universitäten (RMU, https://www.rhein-main-universitaeten.de/). Sie gehört den „German U15“ an, dem Zusammenschluss der 15 forschungsstärksten medizinführenden Universitäten Deutschlands, und bildet zusammen mit 15 außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet das Wissenschaftsnetzwerk „Frankfurt Alliance“.
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