» Home » Presse » Pressemitteilungen » 02/17: Hirntumore besser therapieren

Hirntumore besser therapieren

[15.02.2017] Hirntumorerkrankungen gehören zu den komplexesten und am schwierigsten zu behandelnden Tumortypen und verlaufen auch heutzutage häufig noch schicksalhaft. Neue Therapie- und Diagnostikansätze verbessern die Situation von Patienten spürbar.

Das Hirntumorzentrum (HTZ) des Universitätsklinikums und des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen Frankfurt hat es sich zur zentralen Aufgabe gemacht, basierend auf Erkenntnissen der Tumorbiologie neue Therapieansätze in die klinische Anwendung zu bringen und in der Region eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten. Jetzt können die tragenden Abteilungen am Universitätsklinikum – Neurochirurgie, Neurologie, Neuroonkologie, Neuroradiologie, Neuropathologie, Radioonkologie sowie die Hämatologie und Onkologie – mehrere Forschungserfolge verzeichnen. Diese machen Hoffnung auf deutlich bessere Überlebenschancen. Die Zahl der am HTZ behandelten Patienten steigt stetig. Sie suchen das Zentrum auf für eine Erstdiagnose bei einer neuroonkologischen Erkrankung, für eine interdisziplinäre Entscheidung hinsichtlich Diagnostik und Therapie oder immer häufiger für eine Zweitmeinung..

Forschung, Diagnose, Therapie
Die Basis für die bestmögliche Patientenversorgung am Standort Frankfurt ist die hohe Expertise der beteiligten Partner im Bereich von operativer Therapie, Diagnostik und Hirntumorforschung. Fachbereich und Klinikum haben – mit Unterstützung der Dr. Senckenbergischen Stiftung und bis 2015 der Hertie-Stiftung – die strukturelle Entwicklung der Hirntumormedizin durch die Einrichtung einer Professur und eines Instituts für Neuroonkologie an der Schnittstelle der Partnerdisziplinen Neuromedizin und Onkologie gefördert, was ein Alleinstellungsmerkmal in der Region darstellt. Das HTZ wurde bereits 2013 durch die Deutsche Krebsgesellschaft als einzige universitäre Einrichtung in Hessen als Neuroonkologisches Zentrum zertifiziert. Im Jahr 2016 erfolgte die Rezertifizierung. Zahlreiche moderne Techniken und Methoden kommen hier zum Einsatz.

Operation am wachen Hirn
Das Frankfurter HTZ ist besonders versiert auf dem Gebiet der neurochirurgischen Wachoperationen. Da das Gehirn selbst keine Sinneszellen der Schmerzempfindung hat, können neurologische Funktionen noch im Verlauf der Operation überprüft werden. Die Patienten haben keine Schmerzen und sind während des Eingriffs ansprechbar. So kann beispielsweise sichergestellt werden, dass das Sprachzentrum nicht beschädigt wird. 

Schnell zur nötigen Tumorbestimmung
Die neue Methode der 850-K-Analyse hilft bei der molekularen Diagnostik. Hierbei wird aus dem operativ entfernten Tumormaterial DNA isoliert, um Tumortypen genauer bestimmen zu können. Die Definition des Tumortyps wird durch einen gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg erarbeiteten Algorithmus geleistet. 850 K erlaubt eine Reklassifizierung von Hirntumoren auf der Basis ihres epigenetischen Profils und prognostische sowie prädiktive Aussagen anhand definierter Tumormarker. Damit ist in Frankfurt die derzeit fortschrittlichste Methode der molekularen Hirntumordiagnostik verfügbar.

Roboter mit Linearbeschleuniger
Das CyberKnife ist eine weitere Behandlungsmethode, die am HTZ Anwendung findet: Es handelt sich um ein „state of the art“-Hightech-Gerät zur Krebsbehandlung. Robotertechnologie aus der Autoindustrie wurde hierfür mit einem medizinischen Bestrahlungsgerät kombiniert. Die CyberKnife-Technologie erlaubt eine hochpräzise und rahmenlose sogenannte Einzeitbestrahlung von Tumoren in Gehirn, Hirnhäuten und Schädelbasis. Sie kann bei Hirnmetastasen häufig die Ganzschädelbestrahlung ersetzen. Zudem senkt sie das Rezidivrisiko im Kontext der Nachbestrahlung des Tumorbetts, wenn die Krebsabsiedlungen zuvor neurochirurgisch operativ entfernt worden sind.

Elektrische Felder verhindern Tumorwachstum
Auch beim Therapieverfahren Novo-TTF können bemerkenswerte Erfolge verzeichnet werden. Bei dieser neuen physikalischen Therapie werden vier sogenannte Transducer am Kopf des Patienten platziert, die wechselnde elektrische Felder im Gehirn erzeugen, wodurch die Zellteilung behindert wird. Die kürzlich abgeschlossene Phase-III-Studie hat einen relevanten Gewinn von Überlebenszeit durch Kombination der Novo-TTF-Technik mit dem etablierten Standard der Radiochemotherapie ergeben. Frankfurt ist als Novo-TTF-Therapiezentrum zertifiziert und behandelt bereits erste Patienten.

Unmittelbare Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien
Das HTZ führt eine große Anzahl klinischer Studien zu Hirntumoren durch. Derzeit wird vor allem die Entwicklung von Immuntherapien vorangetrieben. Eine ganz neue und demnächst erstmals bei Patienten mit Glioblastomrezidiven zum Einsatz kommende Immuntherapiestrategie soll in der CAR2BRAIN-Studie getestet werden. Dabei werden biotechnologisch modifizierte natürliche Killerzellen gegen den Tumor ins Feld geführt. Diese in Frankfurt an Georg-Speyer-Haus und Blutspendedienst entwickelte Technik verwendet sogenannte CAR-NK-Zellen, welche spezifische Oberflächenmerkmale auf Tumorzellen erkennen und diese so hochselektiv attackieren.

Erkenntnisse für alle Patienten der Region
In einem regionalen Zusammenschluss, dem Hirntumornetzwerk Rhein-Main, werden die neusten Erkenntnisse aus Forschung und klinischer Versorgung geteilt. Das Klinikum Frankfurt Höchst, das Sana-Klinikum Offenbach, das Klinikum Hanau, die Helios-Kliniken in Wiesbaden sowie das Klinikum Darmstadt sind unter anderem Mitglieder des Verbundes. Damit sollen Therapiestandards harmonisiert und auch für Patienten aus der Region innovative Therapieverfahren schneller zugänglich gemacht werden.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Joachim P. Steinbach
Direktor des Dr. Senckenbergischen Instituts für Neuroonkologie,
Zentrum der Neurologie und Neurochirurgie
Universitätsklinikum Frankfurt
Fon (0 69) 63 01 – 87 710
Fax (0 69) 63 01 – 87 713
E-Mail joachim.steinbach@med.uni-frankfurt.de@kgu.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Frankfurt
Fon (0 69) 63 01 – 64 44
Fax (0 69) 63 01 – 83 22 2
E-Mail jonas.luedke@kgu.de
Internet www.kgu.de----------

Erstellt von: S. Ohm, erstellt am: 07.11.2011, zuletzt geändert: 20.02.2017