Das Neu­ro­lo­gi­sche In­sti­tut am Frank­fur­ter Uni­kli­ni­kum hat weg­wei­sen­de Er­kennt­nis­se über die Blut­ver­sor­gung von Tu­mo­ren ge­won­nen und da­mit die Grund­la­ge für bes­se­re Me­di­ka­men­te zur Krebs­

Die Re­sul­ta­te wur­den in den re­nom­mier­ten Fach­jour­na­len Blood und Jour­nal of Ex­pe­ri­men­tal Me­di­ci­ne pu­bli­ziert.

In der Krebs­the­ra­pie wird in den letz­ten Jah­ren zu­neh­mend dar­auf ge­setzt, die Blut­ver­sor­gung und da­mit das Wachs­tum von Tu­mo­ren zu ver­hin­dern. Man nennt die­sen Vor­gang An­ti-An­gio­ge­ne­se (An­gio­ge­ne­se ist die Neu­bil­dung von Blut­ge­fä­ßen). Auf die­sem Ge­biet konn­ten zwei Ar­beits­grup­pen des Neu­ro­lo­gi­schen In­sti­tuts (Edin­ger-In­sti­tut) am Kli­ni­kum der J.W. Goe­the-Uni­ver­si­tät weg­wei­sen­de Er­kennt­nis­se ge­win­nen und die­se in hoch­ran­gi­gen in­ter­na­tio­na­len Jour­na­len pu­bli­zie­ren.

Dem Tu­mor die Nähr­stoff­zu­fuhr ent­zie­hen
Die Ar­beits­grup­pe von Dr. Yvon­ne Reiss hat ent­deckt, dass der von Blut­ge­fä­ßen pro­du­zier­te Bo­ten­stoff na­mens An­gio­po­ie­tin-2 für das Tu­mor­wachs­tum mit­ver­ant­wort­lich ist. Die­ser Bo­ten­stoff wird von den Blut­ge­fä­ßen bös­ar­ti­ger Tu­mo­ren ge­bil­det und spielt ei­ne wich­ti­ge Rol­le in der Ver­sor­gung des Tu­mors mit Blut und Nähr­stof­fen. Die Mann­schaft um Dr. Reiss konn­te zei­gen, dass spe­zia­li­sier­te Blut­zel­len, die das Tu­mor­wachs­tum för­dern, durch die­sen Bo­ten­stoff in den Tu­mor ge­lockt wer­den. Ei­ne Blo­cka­de die­ses Bo­ten­stof­fes könn­te da­her das Tu­mor­wachs­tum brem­sen. Ent­spre­chen­de Ver­su­che wur­den be­reits ge­star­tet. Die Er­geb­nis­se sind in der in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­ten Fach­zeit­schrift Blood (Jour­nal of the Ame­ri­can So­cie­ty for He­ma­to­lo­gy) ver­öf­f­ent­licht wor­den.

Bes­se­re Wir­kung durch „Nor­ma­li­sie­rung“ der Blut­ge­fä­ße
Die Ar­beits­grup­pe von Dr. Ste­fan Lieb­ner hat ei­nen neu­en Me­cha­nis­mus ge­fun­den, der die Wirk­sam­keit der me­di­ka­men­tö­sen Krebs­be­hand­lung ver­bes­sern kann. Die Stu­die war Ti­tel­the­ma des Jour­nal of Ex­pe­ri­men­tal Me­di­ci­ne (Ro­cke­fel­ler Uni­ver­si­ty Press). Neu­ge­bil­de­te Blut­ge­fä­ße in Tu­mo­ren sind meist „chao­tisch“ or­ga­ni­siert und schlecht durch­blu­tet. Da­her kön­nen Me­di­ka­men­te, die das Tu­mor­wachs­tum hem­men sol­len, ih­ren Ziel­ort oft nicht rich­tig er­rei­chen. Ei­ne „Nor­ma­li­sie­rung“ des Blut­ge­fäß­sys­tems im Tu­mor kann da­zu füh­ren, dass Krebs­me­di­ka­men­te bes­ser wir­ken. Die Ar­beits­grup­pe um Dr. Lieb­ner hat ei­nen Me­cha­nis­mus, den so­ge­nann­ten Wnt-Si­gnal­weg, ent­deckt, der zu ei­ner sol­chen „Nor­ma­li­sie­rung“ ge­nutzt wer­den kann. Die Ak­ti­vie­rung des Wnt-Si­gnal­wegs führt da­zu, dass sich so­ge­nann­te pe­ri­mu­ra­le – die Wand um­schlie­ßen­de – Zel­len von au­ßen an die Blut­ge­fä­ße an­la­gern. Durch die­se An­la­ge­rung wer­den die Blut­ge­fä­ße sta­bi­li­siert und bes­ser durch­blu­tet. Me­di­ka­men­te kön­nen ih­re Wir­kung di­rekt am Ziel­ort ent­fal­ten. Wenn es al­so ge­lingt, den Wnt-Si­gnal­weg durch phar­ma­zeu­ti­sche Sub­stan­zen zu öff­nen, könn­te da­durch die kon­ven­tio­nel­le Che­mo­the­ra­pie deut­lich ef­fek­ti­ver wer­den.

Die Er­kennt­nis­se der bei­den Stu­di­en fin­den im bes­ten Fall schon bald Ein­gang in die Be­hand­lung von Krebs­pa­ti­en­ten. Im nächs­ten Schritt muss in Mo­dell­ver­su­chen ge­tes­tet wer­den, wel­che Wirk­stof­fe er­folg­reich die Si­gnal­we­ge be­ein­flus­sen. Da­nach kön­nen sie in der Tu­morthe­ra­pie beim Men­schen zum Ein­satz kom­men. Dr. Reiss‘ Ar­beits­grup­pe tes­tet im Rah­men ei­ner Ko­ope­ra­ti­on mit Wis­sen­schaft­lern der Uni­ver­si­tät To­ron­to be­reits neue Me­di­ka­men­te, die in den An­gio­po­ie­tin-Si­gnal­weg ein­grei­fen. Die Ar­beits­grup­pe Lieb­ner un­ter­sucht der­zeit die Wir­kung ei­nes Me­di­ka­ments auf den Wnt-Si­gnal­weg in Tu­mo­ren, das be­reits für an­de­re Nicht-Tu­mor­er­kran­kun­gen ver­wen­det wird.
Das Tu­mor­wachs­tum in Hirn­tu­mo­ren stellt ein Haupt­for­schungs­ge­biet des Neu­ro­lo­gi­schen In­sti­tuts dar. Die zwei Ar­beits­grup­pen wer­den der­zeit von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft im Rah­men des Son­der­for­schungs­be­reichs Trans­re­gio 23, der Eu­ro­päi­schen Uni­on (FP7) so­wie dem LOEWE-Schwer­punkt­pro­gramm „On­co­ge­nic Si­gnaling“ des Lan­des Hes­sen mit zu­sam­men 2 Mil­lio­nen Eu­ro ge­för­dert.

Ex­per­ti­se des Edin­ger-In­sti­tuts ist ge­fragt
Die Ex­per­ti­se des Edin­ger-In­sti­tuts ist deutsch­land­weit ge­fragt. Der Lei­ten­de Ober­arzt des Neu­ro­lo­gi­schen In­sti­tuts, Prof. Mi­chel Mit­tel­bronn, wur­de zum Mit­glied des Na­tio­na­len Re­fe­renz-Zen­trums für Neu­ro­mus­ku­lä­re Er­kran­kun­gen ge­wählt. Die Wahl er­folg­te auf der Jah­res­ta­gung der Deut­schen Ge­sell­schaft für Neu­ro­pa­tho­lo­gie und Neu­ro­ana­to­mie in Er­lan­gen. Prof. Karl H. Pla­te, Di­rek­tor des Edin­ger-In­sti­tuts, wur­de eben­falls auf die­ser Ta­gung als Mit­glied des Na­tio­na­len Re­fe­renz-Zen­trums für Hirn­tu­mo­ren be­stä­tigt. Im Rhein-Main-Ge­biet ist das In­sti­tut der zen­tra­le An­sprech­part­ner für Neu­ro­pa­tho­lo­gie und er­hält An­fra­gen aus der ge­sam­ten Re­gi­on.

Für wei­te­re In­for­ma­tio­nen:

Prof. Dr. Karl H. Pla­te
Neu­ro­lo­gi­sches In­sti­tut (Edin­ger-In­sti­tut)
des Kli­ni­kums der J.W. Goe­the-Uni­ver­si­tät
Fon (0 69) 63 01 – 84 16 7
Fax (0 69) 63 01 – 84 15 0
E-Mail karl-heinz.undefinedplate@undefinedkgu.undefinedde

Ri­car­da Wes­sin­g­ha­ge
Pres­se- und Öf­f­ent­lich­keits­ar­beit
Kli­ni­kum der J.W. Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt
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