Im Rahmen der UCT-Inforeihe „Krebs verstehen – im Austausch mit Experten“ gab Dr. med. habil. Niklas Gremke am 1. September 2026 einen verständlichen Einblick in das Thema klinische Studien. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie klinische Studien aufgebaut sind, wie eine Studienteilnahme abläuft und welche Chancen und möglichen zusätzlichen Belastungen damit verbunden sein können. Ergänzt wurde der Vortrag durch die persönlichen Erfahrungen einer Studienteilnehmerin.
Dr. Gremke ist Gynäkologe und leitet die Systemtherapie und klinischen Studien der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Marburg. Darüber hinaus koordiniert der Oberarzt die Lehre der Frauenklinik sowie das molekulare Tumorboard für gynäkologisch-onkologische Patientinnen innerhalb des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Marburg.
Von der Entwicklung bis zur Zulassung
Zu Beginn seines Vortrags erläuterte Niklas Gremke, welche Arten klinischer Studien ein Medikament auf dem Weg von der Entwicklung bis zur Zulassung durchläuft. Dabei erklärte er die unterschiedlichen Zielsetzungen der Studienphasen I, II und III. Je nach Phase stehen unter anderem die Sicherheit und Dosierung einer neuen Therapie, ihre Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen sowie schließlich der Vergleich mit dem geltenden Behandlungsstandard im Fokus. Klinische Studien beschränken sich jedoch nicht auf neue Medikamente. Auch operative Verfahren, Bestrahlungstechniken, diagnostische Methoden oder supportive Maßnahmen können im Rahmen klinischer Studien untersucht werden.
Wie läuft eine Studienteilnahme ab?
Im Anschluss erläuterte der Arzt Schritt für Schritt den Weg von einem möglichen Studienangebot über das ausführliche Aufklärungsgespräch und die Prüfung der Teilnahmevoraussetzungen bis hin zum Studieneinschluss. Dabei ging er auch darauf ein, wie sich Termine im Rahmen einer klinischen Studie von regulären Behandlungsterminen unterscheiden können und welche Rechte Patientinnen und Patienten während einer Studienteilnahme haben.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Abwägung möglicher Chancen und zusätzlicher Belastungen. Klinische Studien können Patientinnen und Patienten den Zugang zu neuen diagnostischen oder therapeutischen Verfahren ermöglichen. Gleichzeitig können mit einer Teilnahme beispielsweise zusätzliche Untersuchungen und Termine verbunden sein. Eine umfassende Aufklärung ist daher eine wichtige Voraussetzung für die individuelle Entscheidung über eine Studienteilnahme.
Persönliche Erfahrungen mit einer klinischen Studie
Wie eine Studienteilnahme aus Sicht einer Patientin erlebt werden kann, zeigte ein anschließendes Gespräch mit einer Studienteilnehmerin. Im Interview mit Prof. Dr. Thomas Wündisch, Direktor des CCC Marburg, und Dr. Gremke berichtete sie von ihren persönlichen Erfahrungen und davon, welche Möglichkeiten sich durch die Teilnahme an einer klinischen Studie für ihre Behandlung ergeben hatten.
Die zahlreichen Fragen aus dem Kreis der Teilnehmenden verdeutlichten das große Interesse an dem Thema. Zugleich zeigte der Austausch, wie wichtig verständliche und transparente Informationen sind, damit Krebsbetroffene die Abläufe, Chancen und möglichen Belastungen klinischer Studien besser einschätzen und gemeinsam mit ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten eine informierte Entscheidung treffen können.



