Molekulare Tumorkonferenzen

Ein wichtiger Baustein des Präzisionsonkologie-Programms des UCT

Personalisierte Medizin nutzt die sprunghaften Weiterentwicklungen in der molekularen Diagnostik, der funktionellen Bildgebung und der Datenverarbeitung, um Patienten eine optimale zielgerichtete und nebenwirkungsarme Behandlung zu ermöglichen. Vor allem in der Onkologie werden molekulare Analysen und darauf basierende individuelle Therapieentscheidungen immer häufiger.

Ein zentrales Instrument zur Erarbeitung der bestmöglichen Therapieempfehlung für jeden einzelnen Patienten sind die interdisziplinären Tumorkonferenzen. Am Universitätsklinikum Frankfurt finden jede Woche 16 Tumorkonferenzen statt, in denen jeder Patient inklusive der dazugehörigen Krankheitsgeschichte, Bildgebung und Pathologiebefunde vorgestellt wird. Anschließend werden mögliche Behandlungsoptionen unter Berücksichtigung aktueller Leitlinien fachübergreifend diskutiert und eine Therapieempfehlung ausgesprochen. Dieses System der kollegialen, interdisziplinären und multiprofessionellen Entscheidungsfindung ist ein wichtiger Baustein, um auch die Möglichkeiten der Präzisionsonkologie in die Routineversorgung zu integrieren: 

Bei Patienten mit sehr komplexen Befunden, seltenen Tumoren oder ungewöhnlichen klinischen Verläufen kann im Rahmen des Präzisionsonkologie-Programms des UCT eine erweiterte molekulare Diagnostik und eine Diskussion der Befunde im Molekularen Tumorboard erfolgen. Am Molekularen Tumorboard sind neben den behandelnden Ärzten, Onkologen und Molekularpathologen weitere Experten des jeweiligen Fachgebiets, ggf. auch standortübergreifend, beteiligt.

Voraussetzung für die Vorstellung eines Patienten im Molekularen Tumorboard ist, dass er oder sie bereits in der entsprechenden organbezogenen Tumorkonferenz vorgestellt wurde. Auch die Vorstellung von Patienten mit extern durchgeführter Diagnostik ist möglich. Insbesondere können im Molekularen Tumorboard Patienten besprochen werden,

  • die eine fortgeschrittene Tumorerkrankung haben
  • bei denen keine Standardtherapie oder erfolgsversprechenden Therapieoptionen gemäß Leitlinien vorliegen
  • an einem seltenen Tumor erkrankt sind
  • einen ungewöhnlichen klinischen Verlauf zeigen
  • für die Aufnahme in eine klinische Studie in Frage kommen.

Die Einführung von Hochdurchsatzsequenzierungsverfahren hat das Verständnis von Tumorerkrankungen in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend erweitert. Eine Charakterisierung von Tumoren auf molekularer Ebene, z.B. mittels Panel- oder Exomsequenzierung, ist mittlerweile mit vertretbarem Aufwand und Kosten möglich. Die Daten der molekularpathologischen Diagnostik werden im Molekularen Tumorboard herangezogen, um passgenaue Therapiekonzepte für Krebspatienten zu erarbeiten. Ziel ist es, ihnen eine zielgerichtete Therapie im Rahmen einer klinischen Studie oder eines individuellen Heilversuchs anbieten zu können.

Um einen nachhaltigen Erkenntnisgewinn zu ermöglichen, werden im Rahmen des Präzisionsonkologie-Programms des UCT die diagnostischen Befunde und Therapieverläufe strukturiert erfasst und ausgewertet.

Wenn Sie Fragen zur Molekularen Tumorkonferenz haben oder einen Patienten anmelden möchten, wenden Sie sich bitte an: Dr. Sebastian Wagner, sebastian.wagner@kgu.de, Tel. 069 / 6301-6358.